LIT:podcast

STEFANIE SCHUSTER IM GESPRÄCH MIT ROBERT MENASSE

 

„Ignoriert zu werden ist sicherlich der größte Stress!“

 

Der vielfach ausgezeichnete Autor Robert Menasse war Writer in Residence von LIT:potsdam 2019. Der „gesellige Autist“, wie er sich selbst bezeichnet, ein glänzender Erzähler auch im richtigen Leben, berichtete in zahlreichen Veranstaltungen Persönlichstes, auch aus seiner Jugend im streng geführten Internat – und gab doch zu, auch unter der Angreifbarkeit zu leiden, die solche Preisgabe mit sich bringe. Dennoch: „Ignoriert zu werden ist sicherlich der größte Stress“, sagt er im Gespräch mit Stefanie Schuster.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinter dem erst 2017 für seinen Brüssel-Roman „Die Hauptstadt“ mit dem Deutschen Buchpreis geehrten Österreicher lagen turbulente Zeiten: Wegen eines „Zitates“ des ersten EU-Präsidenten Walter Hallstein, einer Zusammenziehung dessen berühmter „Römischen Rede“, war Menasse zuletzt sehr kritisiert worden. Journalisten und Historiker gleichermaßen warfen ihm Verfälschung vor. Den Romancier haben diese Vorwürfe hart getroffen, wie er im Gespräch durchblicken lässt. Denn obwohl ihm auch namhafte Historiker später bescheinigten, dass der Inhalt dessen, was er Hallstein in den Mund legte, durchaus richtig sei – dass nämlich die Nationalstaaten gescheitert seien und daher zugunsten einer europäischen Einheit überwunden werden müssten – blieb das Medienecho auf diese Richtigstellung gering. Menasse selbst folgert auch aus diesem Vorfall, dass der lautere, der Wahrheit verpflichtete Journalismus zunehmend in die Defensive gerate. Die Folge dessen sei, dass nicht nur rechtsradikale Realitätsverleugner von der „Lügenpresse“ sprächen, sondern dass sich auch unter den hochqualifizierten EU-Mitarbeitern Misstrauen gegenüber der Presse breitmache. Mehr dazu hören Sie im ersten Teil unseres Interviews mit Robert Menasse.

 

 

 

Foto: © Dirk Bleicker