Reformation und Leselust

Themenwochenende zum Reformationsjubiläum

Am 1. und 2. Juli laden wir ein zur Landpartie mit Luther! Im Dorf Reckahn, südlich von Brandenburg/Havel, ist ein Juwel zu entdecken: Schloss und Schulmuseum Reckahn sind bedeutende Orte für die moderne Pädagogik; hier wurde bereits im 18. Jahrhundert Reformpädagogik gelebt. Genau der richtige Ort, im Jahr des Reformationsjubiläums über die Macht der Kultur zu sprechen mit Lesungen, Vortrag, Diskussion und Musik.

Programm 2017

 

Eintritt je 10 € | unter 14 Jahren frei
Tagespass 25 € | Luther-Pass (für beide Tage) 40 €

Tagespass Samstag 25 €

 

 

Tagespass Sonntag 25 €

 

 

Luther-Pass 40 €

 

 

 

Samstag, 01.07.2017

 

LASSET DIE KINDER

Historische Unterrichtsstunden in der Schulstube des Schulmuseums Reckahn und Führungen durch die neu gestaltete Dauerausstellung im Rochow-Museum.

14.00, 14.30 und 18.30 Uhr | Schloss Reckahn und Schulmuseum | Eintritt frei

 

ALS UNSER DEUTSCH ERFUNDEN WURDE

Bruno Preisendörfer

Festvortrag

Aus Originalquellen der Lutherzeit speist Bruno Preisendörfer seine ebenso unterhaltsame wie aufschlussreiche Kulturgeschichte der Reformationsära.

15.00 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Karten 10 €

 

 

DER LUTHER-FLUCH

Moritz Rinke

Lesung und Gespräch
Moderation: Christine Eichel

Luthers Hochzeit – für papsttreue Zeitgenossen ein Skandal, für Moritz Rinke die ideale Kulisse seines Theaterstücks, aus dem er ausgewählte Szenen liest.

16.00 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Karten 10 €

 

 

ÜBER DIE MACHT DER SPRACHE

Bruno Preisendörfer, Moritz Rinke

Diskussion
Moderation: Christine Eichel

Was bleibt von Sprachmacht und Bilderklang Luthers? Bruno Preisendörfer und Moritz Rinke im Gespräch über Lesen und Schreiben fünf Jahrhunderte nach der Reformation.

17.00 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Karten 10 €

 

 

LEIB UND SEELE

Konzert im Schlosspark

Musikalischer Ausklang mit Familienpicknick

18.30 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Eintritt frei

 

 

Sonntag, 02.07.2017

 

WAS MÜSSTE LUTHER HEUTE SAGEN?

Heiner Geißler

Lesung

In seinem sehr persönlichen Buch fragt der Katholik Heiner Geißler nach dem Reformationsbedarf der heutigen Kirchen. Brauchen wir einen neuen Luther?

Anschließend Diskussion mit

Martina Münch, Thies Gundlach, Heiner Geißler, Feridun Zaimoglu

Moderation: Christine Eichel

Die Kulturministerin des Landes Brandenburg (angefragt), der streitbare Theologe, der bekennende Katholik und der Romanautor diskutieren über Luthers Prägekraft für unsere kulturelle Identität.

11.30 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Karten 10 €

 

 

EVANGELIO

Feridun Zaimoglu

Lesung und Gespräch
Moderation Christine Eichel

Als Ketzer verfemt, kämpft der Reformator auf der Wartburg gegen Versuchungen – und übersetzt das Neue Testament. Feridun Zaimoglu liest aus seinem packenden Luther-Roman "Evangelio".

14.00 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Karten 10 €

 

 

MYTHOS LUTHER?

John von Düffel, Willi Winkler

Lesung und Gespräch
Moderation: Christine Eichel

John von Düffel schrieb ein Theaterstück über Luther als Mythos, Willi Winkler sieht Luther in seiner Biografie als Rebellen. Beide lesen ausgewählte Passagen ihrer Werke.

15.30 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Karten 10 €

 

 

LEIB UND SEELE

Dominique Horwitz

Luthers Tischreden, meisterlich gelesen von Dominique Horwitz und kulinarisch serviert: Willkommen in der Tafelrunde. Dazu Essen aus Feld, Wald und Wiese, bereitgestellt von regionalen Anbietern.

17.30 Uhr | Schloss Reckahn, Schlosspark | Eintritt frei

 

 

Programm 2016

Samstag, 02.07.2016

 

LASSET DIE KINDER

Lesung mit Hans-Jochen Röhrig aus dem historischen Volksschulbuch „Der Kinderfreund. Ein Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen” (Friedrich-Eberhard von Rochow, 1776/1779) im Schlosspark.
 
Parallel dazu finden Führungen durch die Dauerausstellung „Vernunft fürs Volk” des Rochow-Museums und historische Unterrichtsstunden in der Schulstube des Schulmuseums statt.


15.30 und 16.15 Uhr | Schlosspark / Rochow-Museum / Schulmuseum | Eintritt frei

 

DIE HEILIGE ANNA LEHRT MARIA DAS LESEN

Annedore Prengel

Vortrag

17.00 Uhr | Saal im Schloss Reckahn
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Schon im Vorfeld der Reformation kommt es zur Blüte eines Bildprogramms, in dem die Jungfrau Maria als lesen lernendes Mädchen dargestellt wird. Unterwiesen wird sie von ihrer Mutter, der heiligen Anna. In ihrem Vortrag fragt die bekannte Erziehungswissenschaftlerin Annedore Prengel nach der historisch-kulturellen Bedeutung dieses bisher weitgehend unerforschten Motivs: Wie lässt sich das ikonographische Propagieren des Lesens im Annenkult deuten? Wie wird die Weitergabe kultureller Errungenschaften von einer (Frauen)generation zur anderen entworfen? Welche Bezüge zu Luther und zur Reformation lassen sich rekonstruieren? Zum Vortrag gehört die Präsentation einer Skulptur sowie zahlreicher Abbildungen.

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„... UND LUTHER?” — ÜBER REFORMATIONS-PHANTASIEN

Peter Sloterdijk

Eröffnung des Themenwochenendes und Vortrag
Moderation: Christine Eichel

18.00 Uhr | Schlosspark
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Der Philosoph Peter Sloterdijk widmet seinen Vortrag dem Thema, unter welchen Voraussetzungen die Reformation ihre epochale Wirkmacht entfalten konnte. Auch über die Reformation lasse sich sagen, was der Politiker und Historiker Alexis de Tocqueville im Rückblick auf die Französische Revolution bemerkte: Kein Ereignis der Geschichte sei je gründlicher vorbereitet, keines unvermeidlicher gewesen. Als es wirklich geschah, so Sloterdijk, habe die Überraschung keine Grenzen gekannt: „Seit mehr als einhundert Jahren erwartet, erlebten Unzählige die Reformation als das Unerwartete schlechthin. Aber sie kam auch sehr vielen gelegen.“ Nun richtet Peter Sloterdijk den Blick auf den Reformator. Bei jeder Wendung der Ereignisse stelle sich die Frage: "… und Luther?"

Karten für beide Veranstaltungen: 14,95 €, ermäßigt 10 €

 

 

„UNGETAUFT” — ÜBERLEGUNGEN ZUR PROTESTANTISCHEN KULTUR

Durs Grünbein

Lesung und Gespräch mit musikalischer Begleitung: Gajane Saakjana (Piano) und Natalia Costiuc (Cello)
Moderation: Christine Eichel
 
20.00 Uhr | Saal im Schloss Reckahn | Karten 14,95 €, ermäßigt 10 €
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Der Schriftsteller Durs Grünbein sieht in Luther weniger den glanzvollen Nationalhelden und sprachmächtigen Bibelübersetzer, sondern vor allem die erste Verkörperung vieler typisch deutscher Prinzipien, die ihm fremd sind: Bilderfeindlichkeit, Buchstabengläubigkeit, Obrigkeitshörigkeit, Sinnenfeindlichkeit, das Misstrauen gegen Glanz und Glamour, der Kult des Moralistischen. Andererseits erlebte Grünbein im kirchenfeindlichen Umfeld der DDR die Kultur eines protestantischen Pfarrhauses als eine „Höhle im Sozialismus“, in der Diskursfreudigkeit und bildungsbürgerliche Traditionen gepflegt wurden. Anhand aktueller Texte, aus denen Durs Grünbein liest, und im Rahmen eines Gesprächs werden reformatorisch beeinflusste deutsche Werte und deutsche Befindlichkeiten kritisch reflektiert sowie Luthers Sprachmacht nachgespürt.

 

 

Kulinarisches im Schlosspark ab 15.00 Uhr

Sonntag, 03.07.2016

 

SELBST LESEN, SELBST DENKEN — EIN PROTESTANTISCHES MOTIV

Jürgen Kaube

Vortrag

11.00 Uhr | Schlosspark
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Mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche leitete Luther einen Paradigmenwechsel ein: Die eigene Lektüre und die eigenständige Auslegung der Heiligen Schrift ersetzten für Protestanten die Deutungsmacht der Papstkirche und lösten die Orientierung an theologischen Dogmen ab. Selbst lesen und selbst denken wurde zum Leitmotiv der religiösen Selbstvergewisserung. Darüber hinaus verflüssigte das neue Verhältnis zum Glauben auch den Begriff der Bildung. Mit der individuellen Interpretationshoheit im Hinblick auf biblische Inhalte entstanden zugleich eine Kultur autodidaktischer Wissensaneignung und eine Voraussetzung für herrschaftsfreie Diskurse. In seinem Vortrag zeichnet FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube die Auswirkungen dieser reformatorischen Innovation nach.

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SPRACHE, BILDUNG, IDENTITÄT — GEISTESGESCHICHTLICHE FOLGEN DER REFORMATION

Durs Grünbein, Jürgen Kaube, Peter Sloterdijk

Diskussion
Moderation: Christine Eichel
 
12.00 Uhr | Schlosspark
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Für das Land der Dichter und Denker hat Luther ohne Frage eine zentrale Bedeutung. Die vitale, bildersatte Sprachmacht seiner Bibelübersetzung beeinflusste Generationen von Lieddichtern und Schriftstellern, seine Überlegungen zur „Freiheit eines Christenmenschen“ eröffnete einen Diskurs über die Autonomie des Einzelnen. Kant beispielsweise formulierte sein aufklärerisches Emanzipationsideal ganz im Sinne der Reformation: Die äußeren Autoritäten verlieren ihren Orientierungsanspruch, die inneren Instanzen gewinnen an Bedeutung und erfordern eine individuelle Gesinnungsethik. Hegel bezog sich ebenfalls auf das protestantische Freiheitsparadigma, aus dem er das „Prinzip des freien Geistes“ ableitete. In der Podiumsdiskussion werden diese Traditionslinien freigelegt und auf ihre Bedeutung für unseren heutigen Begriff von Freiheit überprüft. Wie frei sind wir wirklich? Welche Denk-Konventionen hemmen uns? Wie steht es um unsere Identität?

Karten für beide Veranstaltungen: 14,95 €, ermäßigt 10 €

 

 

Musikalische Mittagspause mit Natalia Costiuc (Cello)

 

MENSCHENBILD UND MENSCHENBILDUNG — WIE LUTHER DER VERZWEIFLUNG ENTKAM

Thea Dorn

Vortrag

14.30 Uhr | Schlosspark
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Im Zuge der reformatorischen Neuerungen regte Luther auch eine Reform des Bildungssystems an. Die Schriftstellerin Thea Dorn erkundet in ihrem Vortrag das Menschenbild, das diesem Bildungskonzept zugrunde liegt. Ihre These: Erst durch Luthers Entdeckung des barmherzigen, gnädigen Gottes und sein radikales Bekenntnis zum Glauben gelinge es ihm, die anfängliche Verzweiflung über den „Sündenklumpen“ Mensch zu überwinden. Allerdings kehrten die Anfechtungen, wie Luther sie nennt, regelmäßig zurück. Sämtliche Ratschläge, die er zur Menschenbildung erteilt, ließen sich daher nur vor dem Hintergrund dieses existentiellsten aller Konflikte verstehen, die er im Laufe seines Lebens ausfocht: In welchem Verhältnis stehen Gnade und Verdammnis?

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KUNST, KULTUR, MENSCHWERDUNG — WIE REFORMBEDÜRFTIG IST DAS DEUTSCHE BILDUNGSSYSTEM?

Thea Dorn, Jürgen Flimm, Martin Gorholt

Diskussion
Moderation: Christine Eichel

15.30 Uhr | Schlosspark
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In kaum einem Land der Welt wird derart erbittert über das Thema Bildung gestritten wie in Deutschland. Seit der Diagnose eines „Bildungsnotstands“ in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts debattieren wir über Konzepte und Reformen, über Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Überdies folgte auf Luthers Idee einer „Bildung für alle“ die Parole „Kultur für alle“. Damit verband sich die Hoffnung, die Teilhabe an einer gemeinsamen Kultur könne integrative Kraft besitzen. Gerade im Hinblick auf Themen wie Einwanderung, religiöse Identität und kultureller Pluralismus gewinnt die Frage nach dem Stellenwert von Bildung und Kultur aktuelle Relevanz. Deshalb widmen sich die Diskussionsteilnehmer der Frage, inwieweit die herkömmlichen bildungs- und kulturpolitischen Ziele überdacht werden müssen und welche neuen Strategien sich abzeichnen könnten, um zukunftstaugliche Interventionen zu entwickeln. Was ist erhaltenswert, förderungswürdig, gesellschaftlich sinnvoll in der deutschen Bildungs- und Kulturlandschaft? Welche Werte, welche Institutionen sind unverzichtbar, welche überholt?

Karten für beide Veranstaltungen: 14,95 €, ermäßigt 10 €